Auf einen Blick

Pressemitteilung

155/2017/54/K
München, den 03. Juli 2017

Knapp 15 000 Gefährdungseinschätzungen für Kinder und Jugendliche in Bayern im Jahr 2016

Bei einem Drittel der Fälle wurde eine Kindeswohlgefährdung festgestellt

 
Die Bayerischen Jugendämter meldeten im Jahr 2016 insgesamt 14 755 Gefährdungseinschätzungen, das heißt Fälle, in denen geprüft wurde, ob das Wohl von Kindern bzw. Jugendlichen in Gefahr war. Nach Angaben des Bayerischen Landesamts für Statistik lag in 2 198 Fällen eine akute und in 2 783 eine latente Kindeswohlgefährdung vor. Bei 5 386 Gefährdungseinschätzungen wurde keine Kindeswohlgefährdung festgestellt, jedoch Hilfebedarf und in 4 388 Fällen wurde weder eine Kindeswohlgefährdung noch weiterer Hilfebe-darf ermittelt.

 
Grundlage der Statistik zur Kindeswohlgefährdung ist das Bundeskinderschutzgesetz, welches zum 1. Januar 2012 in Kraft getreten ist. Kindeswohlgefährdung liegt dann vor, wenn das körperliche, geistige und seelische Wohl eines Kindes durch das Tun oder Unterlassen der Eltern oder Dritter gravierende Beeinträchtigungen erleidet, die dauerhafte oder zeitweilige Schädigungen in der Entwicklung des Kindes zur Folge haben bzw. haben können.

 
Eine Gefährdungseinschätzung nach § 8a Absatz 1 SGB VIII ist vom Jugendamt immer dann abzugeben, wenn dem Jugendamt wichtige Anhaltspunkte für die Gefährdung des Wohls eines Kindes oder Jugendlichen bekannt werden, es sich daraufhin einen unmittelbaren Eindruck von dem Minderjährigen und seiner persönlichen Umgebung verschafft hat (z.B. durch Hausbesuche oder Einbestellung der Eltern ins Jugendamt) und das Gefährdungsrisiko anschließend im Zusammenwirken mehrerer Fachkräfte eingeschätzt wurde.

 
2 198 Gefährdungseinschätzungen (15 Prozent) ergaben eine akute, 2 783 (19 Prozent) eine latente Kindeswohlgefährdung. Dabei waren Anzeichen für eine Vernachlässigung oder einer psychischen Misshandlung die häufigsten Gründe einer Kindeswohlgefährdung.

 
Darüber hinaus wurde bei 5 386 Gefährdungseinschätzungen (36 Prozent) keine Kindeswohlgefährdung festgestellt, aber Hilfebedarf zum Beispiel im Rahmen einer Hilfe der Kinder und Jugendhilfe wie Erziehungsberatung oder eine Schutzmaßnahme.

 
Lediglich bei 4 388 Fällen (30 Prozent) wurde weder eine Kindeswohlgefährdung noch ein weiterer Hilfebedarf ermittelt.




 
Wie das Bayerische Landesamt für Statistik mitteilt, wurden in Bayern im Jahr 2016 insgesamt 14 755 Fälle von Kindeswohlgefährdung gemeldet. Betroffen waren 7 430 Jungen und 7 325 Mädchen.

 
Die Meldungen an die Jugendämter erfolgten in vielen Fällen (2 732) durch Polizei, Gericht oder Staatsanwaltschaft, sowie von Bekannten/Nachbarn der Minderjährigen (1 853 Meldungen).


Verfahren zur Einschätzung der Gefährdung des Kindeswohls im Jahr 2016

Bekannt machende Institution oder Person

Verfahren insgesamt

darunter mit dem Ergebnis

akute                  Kindeswohl- gefährdung

latente Kindeswohl-gefährdung

Sozialer Dienst/ Jugendamt

1 000

 248

 221

Beratungsstelle

 240

 50

 50

andere Einrichtung, Dienst der Erziehungshilfe

 709

 188

 200

Einrichtung der Jugendarbeit/ Kinder- und Jugendhilfe

 477

 160

 132

Kindertageseinrichtung/ Tagespflegeperson

 599

 84

 145

Schule

1 349

 248

 332

Hebamme/ Arzt/ Gesundheitsamt oder ähnliche Dienste

 882

 170

 164

Polizei/ Gericht/ Staatsanwaltschaft

2 732

 394

 471

Eltern(-teil)/ Personenberechtigte/r

1 230

 180

 262

Minderjährige/r selbst

 316

 104

 72

Verwandte

1 003

 87

 181

Bekannte/ Nachbarn

1 853

 117

 226

Anonyme/r Melder/in

1 463

 46

 152

sonstige

 902

 122

 175

 

 

 

 

insgesamt

14 755

2 198

2 783



Hinweis: Regionalisierte Zahlen stehen noch nicht zur Verfügung.

  • Statistische Berichte: Kinder- und Jugendhilfe
    Ergebnisse zu Teil I: Erzieherische Hilfen
  • PM aus dem Vorjahr
  • Pressemitteilung

Nachdruck - auch auszugsweise - mit Quellenangabe erwünscht.