Auf einen Blick


Pressemitteilung

233/2012/52/D
München, den 24. August 2012

Zahl der Unternehmensinsolvenzen über Vorjahresniveau

Summe der Gläubigerforderungen und Zahl der betroffenen Arbeitnehmer massiv gestiegen

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Bayern ist im ersten Halbjahr 2012 deutlich angestiegen, und zwar gegenüber den ersten sechs Monaten 2011 um 4,4 Prozent auf insgesamt 1 768 Verfahren, was dem gut hälftigen Ergebnis des Berichtsjahres 2011 entspricht (3 413 Verfahren). Wie das Bayerische Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung mitteilt, waren von diesen Unternehmensinsolvenzen 12 121 Arbeitnehmer betroffen, und damit über ein Drittel mehr als im ersten Halbjahr 2011 (+36,0 Prozent). Die Summe der Gläubigerforderungen hat sich mit 3,59 Milliarden Euro sogar fast verdreifacht (+186,3 Prozent) und beziffert sich dementsprechend auf durchschnittlich 2,03 Millionen Euro je Insolvenzfall (erstes Halbjahr 2011: 740 900 Euro).

Nach Angaben des Bayerischen Landesamts für Statistik und Datenverarbeitung wurden im ersten Halbjahr 2012 von den Amtsgerichten in Bayern insgesamt 8 531 Anträge auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens bearbeitet. 1 768 dieser Verfahren betrafen Unternehmen, um 75 Fälle bzw. 4,4 Prozent mehr als in den ersten sechs Monaten 2011 und damit gut halb so viele wie im gesamten Berichtsjahr 2011 (mit 3 413 Unternehmensinsolvenzverfahren). Dementsprechend ist der Anteil der Unternehmensinsolvenzen an den Insolvenzen insgesamt um 1,7 Prozentpunkte angestiegen, und zwar von 19,0 Prozent im ersten Halbjahr 2011 auf 20,7 Prozent im aktuellen Berichtszeitraum. Beim Großteil der beantragten Fälle (70,3 Prozent) wurde das eigentliche Insolvenzverfahren eröffnet, das schließlich zu einer gleichmäßigen, wenn auch nur teilweisen Befriedigung der Gläubigerforderungen führt.

Finanziell gescheitert sind auch im ersten Halbjahr 2012 insbesondere junge Unternehmen. 819 bzw. 46,3 Prozent der insolventen Unternehmen waren weniger als acht Jahre wirtschaftlich aktiv, wobei 418 dieser Unternehmen höchstens drei Jahre alt waren. Der Anteil der Gläubigerforderungen dieser Altersgruppe insolventer Unternehmen an den Gläubigerforderungen insgesamt lag bei 38,2 Prozent, wobei ein unter acht Jahre altes insolventes Unternehmen im ersten Halbjahr 2012 durchschnittlich mit 1,67 Millionen Euro verschuldet war (gegenüber 410 100 Euro im ersten Halbjahr 2011). Die Gesamtsumme der Gläubigerforderungen bezifferte sich im aktuellen Berichtszeitraum auf rund 3,59 Milliarden Euro, was fast einer Verdreifachung der Gläubigerforderungen im Vergleich zum ersten Halbjahr 2011 entspricht (1,25 Milliarden Euro). Die Verschuldung aller von Insolvenz betroffenen Unternehmen maß damit im ersten Halbjahr 2012 durchschnittlich 2,03 Millionen Euro, wogegen sich der vergleichbare Schuldenberg des entsprechenden Vorjahreszeitraums lediglich auf 740 900 Euro bezifferte. Von den 1 768 Unternehmensinsolvenzen im aktuellen Berichtszeit-raum waren insgesamt 12 121 Arbeitnehmer betroffen, und damit über ein Drittel mehr als im ersten Halbjahr 2011 (8 915 Arbeitnehmer).

Gut 17 Prozent der beantragten Unternehmensinsolvenzverfahren waren dem Wirtschaftsabschnitt „Handel; Instandhaltung und Reparatur von Kfz“ zuzuordnen (-6,2 Prozent gegen-über dem ersten Halbjahr 2011), rund 14 Prozent dem „Baugewerbe“ (+12,7 Prozent), 13 Prozent den „Freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen (+9,2 Prozent) und jeweils 10 Prozent dem „Verarbeitenden Gewerbe“ und den „Sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen“ (+4,3 Prozent bzw. +24,1 Prozent).

Unternehmensinsolvenzen in Bayern im 1. Halbjahr 2012

Bezeichnung

Unternehmensinsolvenzen

eröffnet

insgesamt

Veränderung
ggü. dem
1. Halbjahr
2011

Betroffene
Arbeit-
nehmer

Voraus-
sichtliche
Forde-
rungen

Anzahl

%

Anzahl

1 000 Euro

Nach Wirtschaftsabschnitten 1)

Land- u. Forstwirtschaft, Fischerei

4

6

-14,3

.

.

Bergbau u. Gewinnung v. Steinen u. Erden

-

-

x

-

-

Verarbeitendes Gewerbe

137

169

4,3

6 525

1 262 580

Energieversorgung

9

12

9,1

13

85 149

Wasserversorgung; Entsorgung,

 

 

 

 

 

Beseitigung v. Umweltverschmutzungen

1

1

-87,5

.

.

Baugewerbe

178

248

12,7

930

193 688

Handel; Instandhaltung u. Reparatur v. Kfz

212

305

-6,2

1 570

1 072 973

Verkehr u. Lagerei

93

128

-3,0

617

32 869

Gastgewerbe

117

145

-14,7

466

20 877

Information u. Kommunikation

48

75

41,5

216

31 984

Finanz- u. Versicherungsdienstleistungen

45

79

25,4

30

195 812

Grundstücks- u. Wohnungswesen

32

46

-25,8

36

83 058

Freiberufliche, wissenschaftliche

 

 

 

 

 

u. technische Dienstleistungen

135

226

9,2

564

515 715

Sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen

121

170

24,1

599

33 233

Erziehung u. Unterricht

21

26

62,5

148

5 349

Gesundheits- u. Sozialwesen

32

41

46,4

259

36 158

Kunst, Unterhaltung u. Erholung

23

33

-

62

5 483

Sonstige Dienstleistungen

35

58

-

34

7 720

Insgesamt

1 243

1 768

4,4

12 121

3 590 970

Nach Regierungsbezirken

Oberbayern

475

699

5,7

3 072

1 632 988

Niederbayern

79

111

-7,5

731

162 901

Oberpfalz

112

150

26,1

1 018

74 048

Oberfranken

105

144

-

1 011

83 463

Mittelfranken

202

276

6,6

1 493

439 407

Unterfranken

104

158

1,3

937

88 036

Schwaben

166

230

-1,7

3 859

1 110 128

Bayern

1 243

1 768

4,4

12 121

3 590 970

Kreisfreie Städte

473

711

10,4

5 700

2 747 228

Landkreise

770

1 057

0,8

6 421

843 742

 

1) Klassifikation der Wirtschaftszweige, Ausgabe 2008 (WZ 2008), Kurzbezeichnung.




Weitere, bis auf Kreisebene regionalisierte Ergebnisse zu diesem Thema können per E-Mail (info-sw@statistik.bayern.de) oder telefonisch (09721-2088-230) erfragt werden

Nachdruck - auch auszugsweise - mit Quellenangabe erwünscht.