Auf einen Blick

Pressemitteilung

051/2013/52/D
München, den 27. Februar 2013

Unternehmensinsolvenzen in Bayern 2012

Weniger Verfahren, aber mehr betroffene Arbeitnehmer und weit höhere Forderungen

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Bayern hat sich 2012 im Vergleich zum Vorjahr um 3,7 Prozent auf 3 286 Verfahren verringert. Nach Angaben des Bayerischen Landesamts für Statistik und Datenverarbeitung waren allerdings gleichzeitig 17,1 Prozent mehr Arbeitsplätze durch ein Unternehmensinsolvenzverfahren in ihrer Existenz bedroht als noch 2011, die Gesamtsumme der gemeldeten Gläubigerforderungen fiel sogar fast doppelt so hoch aus wie vor einem Jahr (+94,6 Prozent). Mitverantwortlich für dieses Ergebnis sind wenige sehr große Unternehmensinsolvenzen in den Wirtschaftsabschnitten „Verarbeitendes Gewerbe“ sowie „Handel; Instandhaltung und Reparatur von Kfz“. Der Gesamtwert der Gläubigerforderungen ist auf 4,60 Milliarden Euro angestiegen und bezifferte sich damit auf durchschnittlich 1,40 Millionen Euro je insolventem Unternehmen (2011: 692 000 Euro). Von der Insolvenz ihres Unternehmens waren bayernweit 19 528 Arbeitnehmer betroffen, darunter allein 5 954 in Schwaben und 5 011 in Oberbayern (+263,9 Prozent bzw. +11,7 Prozent).

Im Jahr 2012 wurden von den 29 Insolvenzgerichten in Bayern insgesamt 3 286 Anträge auf Eröffnung eines Unternehmensinsolvenzverfahrens bearbeitet, das waren 3,7 Prozent weniger Verfahren als noch im Vorjahr (3 413). Wie das Bayerische Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung weiter mitteilt, wurde bei 71,9 Prozent dieser beantragten Fälle vom Gericht das Insolvenzverfahren eröffnet, das schließlich zu einer gleichmäßigen, wenn auch nur teilweisen Befriedung der Gläubigerforderungen führt. Bei den anderen 922 Fällen erfolgte eine Abweisung mangels Masse, weil der Schuldner noch nicht einmal die Gerichtskosten aufbringen konnte, so dass mit einem Totalausfall der Forderungen gerechnet werden muss.

Von den 3 286 beantragten Unternehmensinsolvenzverfahren im Jahr 2012 waren 19 528 Arbeitnehmer betroffen (+17,1 Prozent gegenüber 2011), darunter allein 5 954 in Schwaben und 5 011 in Oberbayern (+263,9 Prozent bzw. +11,7 Prozent). Die Zahl der bedrohten
Beschäftigungsverhältnisse ist zudem in der Oberpfalz und in Oberfranken gestiegen, wogegen Niederbayern sowie Mittel- und Unterfranken bei rückläufigen Veränderungsraten zwischen 27,7 Prozent (Unterfranken) und -41,0 Prozent (Mittelfranken) gemessen an der Verfahrenszahl besser abschnitten. Das gegenüber 2011 festgestellte Plus bei den durch Unternehmensinsolvenz bedrohten Beschäftigungsverhältnissen war vor allem in den beiden Wirtschaftsabschnitten „Verarbeitendes Gewerbe“ (+2 371 Arbeitnehmer bzw. +35,3 Prozent) sowie „Handel; Instandhaltung und Reparatur von Kfz“ angesiedelt (+1 663 Arbeitnehmer bzw. +83,7 Prozent) und betraf dort insbesondere Großunternehmen.

Die Gesamtsumme der Gläubigerforderungen bezifferte sich 2012 auf 4,60 Milliarden Euro, was nahezu einer Verdoppelung (+94,6 Prozent) der Gläubigerforderungen gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die Verschuldung aller von Insolvenz betroffenen Unternehmen lag damit im aktuellen Berichtsjahr bei durchschnittlich 1,40 Millionen Euro, während der vergleichbare Schuldenberg im Jahr 2011 „nur“ 692 000 Euro maß.

Unternehmensinsolvenzen in Bayern 2012

Bezeichnung

Unternehmensinsolvenzen

eröffnet

insgesamt

Veränderung
ggü.
2011

Betroffene
Arbeit-
nehmer

Voraus-
sichtliche
Forde-
rungen

Anzahl

%

Anzahl

1 000 Euro

Nach Wirtschaftsabschnitten 1)

Land- u. Forstwirtschaft, Fischerei       

 13

 15

-

 20

5 999

Bergbau u. Gewinnung v. Steinen u. Erden  

-

-

x

-

-

Verarbeitendes Gewerbe                    

 253

 305

1,0

9 085

1 453 350

Energieversorgung                         

 17

 21

-4,5

 43

106 541

Wasserversorgung; Entsorgung,

 

 

 

 

 

Beseitigung v. Umweltverschmutzungen

3

3

-76,9

 55

6 896

Baugewerbe                                

 326

 449

9,8

1 309

246 643

Handel; Instandhaltung u. Reparatur v. Kfz         

 425

 605

-7,5

3 651

1 328 351

Verkehr u. Lagerei                       

 185

 248

-2,7

1 150

55 890

Gastgewerbe                               

 219

 280

-17,9

 775

40 725

Information u. Kommunikation              

 82

 122

6,1

 380

56 406

Finanz- u. Versicherungsdienstleistungen     

 78

 132

7,3

 45

310 753

Grundstücks- u. Wohnungswesen             

 57

 80

-45,2

 48

164 611

Freiberufliche, wissenschaftliche

 

 

 

 

u. technische Dienstleistungen

263

437

3,3

918

646 840

Sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen          

 229

 303

2,4

1 344

 77 939

Erziehung u. Unterricht                   

 32

 39

44,4

 152

6 954

Gesundheits- u. Sozialwesen               

 67

 80

31,1

 341

60 636

Kunst, Unterhaltung u. Erholung           

 38

 54

-19,4

 105

12 760

Sonstige Dienstleistungen                       

 77

 113

-21,0

 107

13 940

Insgesamt

2 364

3 286

-3,7

19 528

4 595 232

Nach Regierungsbezirken

Oberbayern

 907

1 302

-7,7

5 011

1 972 731

Niederbayern

 157

 213

-7,4

1 266

283 852

Oberpfalz

 198

 252

-3,1

1 855

215 247

Oberfranken

 207

 273

3,4

1 575

135 241

Mittelfranken

 378

 518

7,5

2 423

526 986

Unterfranken

 190

 291

1,0

1 444

150 636

Schwaben

 327

 437

-8,6

5 954

1 310 541

Bayern

2 364

3 286

-3,7

19 528

4 595 232

Kreisfreie Städte

 881

1 295

-1,1

8 461

3 222 742

dar. Großstädte 2)

675

1 013

-0,2

6 840

3 007 511

Landkreise

1 483

1 991

-5,4

11 067

1 372 490

 

1) Klassifikation der Wirtschaftszweige, Ausgabe 2008 (WZ 2008), Kurzbezeichnungen.

2) München, Nürnberg, Augsburg, Regensburg, Würzburg, Ingolstadt, Fürth, Erlangen.




Ausführliche Ergebnisse enthält der Statistische Bericht „Insolvenzverfahren in Bayern 2012“ (Bestellnummer:
D3100C 2012, Preis der Druckausgabe: 8,10 €). Der Bericht kann im Internet unter www.statistik.bayern.de/veroeffentlichungen als Datei kostenlos heruntergeladen werden. Gedruckte Ausgaben können beim Vertrieb erworben bzw. dort per E-Mail (vertrieb@statistik.bayern.de), Fax (Fax-Nr. 089 2119-3457) oder Post bestellt werden. Weitere bis auf Kreisebene differenzierte Ergebnisse zu diesem Thema können aber auch
per E-Mail (info-sw@statistik.bayern.de) oder telefonisch (09721-2088-230) erfragt werden.

Nachdruck - auch auszugsweise - mit Quellenangabe erwünscht.