Auf einen Blick

Pressemitteilung

193/2013/54/K
München, den 09. Juli 2013

5 509 Maßnahmen des Familiengerichts aufgrund einer Gefährdung des Kindeswohl

In 2 249 Fällen wurde die Übertragung der elterlichen Sorge ganz oder teilweise auf das Jugendamt oder einen Dritten entschieden

Im Laufe des Jahres 2012 wurden insgesamt 5 509 gerichtliche Maßnahmen eines Familiengerichts für Kinder- und Jugendliche aufgrund einer Gefährdung des Kindeswohls eingeleitet. Wie das Bayerische Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung weiter mitteilt, waren davon 2 742 Buben und 2 767 Mädchen betroffen. Hiervon wurde in 2 249 Fällen die vollständige oder teilweise Übertragung der elterlichen Sorge auf das Jugendamt oder einen Dritten vorgenommen.

Im Bürgerlichen Gesetzbuch sind in § 1 666 „Gerichtliche Maßnahmen bei Gefährdung des Kindeswohls“ geregelt. Das Familiengericht hat danach Maßnahmen im Falle einer körperlichen, geistigen oder seelischen Gefährdung des Kindes oder seines Vermögens zu
ergreifen, wenn die Eltern nicht gewillt oder in der Lage sind, diese Gefahr abzuwenden. Die Anrufung des Familiengerichts durch das Jugendamt ist immer dann erforderlich und verpflichtend, wenn sich die Gefährdung des Kindeswohles nur durch eine gerichtliche Entscheidung abwenden lässt. Das Familiengericht entscheidet dann im Einzelfall, ob gerichtliche Maßnahmen einzuleiten sind und wie diese aussehen. Hierzu zählen beispielsweise Gebote, öffentliche Hilfen wie Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe und der Gesundheitsfürsorge in Anspruch zu nehmen oder für die Einhaltung der Schulpflicht zu sorgen. Auch Verbote, vorübergehend oder auf unbestimmte Zeit die Familienwohnung oder eine andere Wohnung zu nutzen, sich in einem bestimmten Umkreis der Wohnung aufzuhalten oder zu bestimmende andere Orte aufzusuchen, können ausgesprochen werden. Ebenso kann verboten werden, Verbindung zum Kind aufzunehmen oder ein Zusammentreffen mit dem Kind herbeizuführen. Auch die elterliche Sorge kann teilweise oder vollständig entzogen werden.

Maßnahmen des Familiengerichts für Kinder und Jugendliche in Bayern 2012 aufgrund einer Gefährdung des Kindeswohls nach Art der Maßnahme Maßnahmen des Familiengerichts für Kinder und Jugendliche in Bayern 2012 aufgrund einer Gefährdung des Kindeswohls nach Art der Maßnahme

Nach Mitteilung des Bayerischen Landesamts für Statistik und Datenverarbeitung wurden in Bayern im Laufe des Jahres 2012 in insgesamt 5 509 Fällen Entscheidungen des Familiengerichts getroffen, um für Kinder und Jugendliche Maßnahmen einzuleiten.
Von den insgesamt 5 509 Fällen waren Jungen (2 742) in nahezu gleichem Maße betroffen wie Mädchen (2 767).

In 2 249 Fällen wurde der vollständige (707) oder teilweise (1 542) Entzug der elterlichen Sorge entschieden, das heißt die elterliche Sorge wurde auf das Jugendamt oder einen Dritten als Vormund oder Pfleger (gem. § 1666 Abs.3 Nr. 6 BGB) übertragen. Des Weiteren wurde in 1 622 Fällen die Inanspruchnahme von Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe auferlegt, in 822 Fällen wurden die Erklärungen des Personensorgeberechtigten ersetzt und in 816 Fällen wurden Ge- oder Verbote gegenüber dem Personensorgeberechtigten oder Dritten ausgesprochen.


Aufgeschlüsselt nach Regierungsbezirken ergab sich folgendes Bild:

Gebiet

Insgesamt

davon

 

Auferlegung der Inanspruchnahme von Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe gem. § 1666 Abs. 3
Nr. 1 BGB

 

Aussprache von anderen Geboten und Verboten gegenüber dem Personensorge-berechtigten oder Dritten gem.
§ 1666 Abs. 3
Nr. 2 bis 4 BGB

 

Ersetzung von Erklärungen des/der Personensorge-berechtigten gem.
§ 1666 Abs. 3
Nr. 5 BGB

 

Vollständige Übertragung der elterlichen Sorge auf das Jugendamt oder einen Dritten als Vormund gem.
§ 1666 Abs. 3
Nr. 6 BGB

 

Teilweise Übertragung der elterlichen Sorge auf das Jugendamt oder einen Dritten als Vormund gem.
§ 1666 Abs. 3
Nr. 6 BGB

Oberbayern

1 636

421

268

196

221

530

Niederbayern

288

80

15

12

56

125

Oberpfalz

1 151

381

84

307

104

275

Oberfranken

466

145

81

47

90

103

Mittelfranken

479

103

44

18

102

212

Unterfranken

313

90

30

25

56

112

Schwaben

1 176

402

294

217

78

185

Bayern

5 509

1 622

816

822

707

1 542

Nachdruck - auch auszugsweise - mit Quellenangabe erwünscht.