Auf einen Blick


Pressemitteilung

14/2014/41/A
München, den 17. Januar 2014

Zum Welttag der Migranten und Flüchtlinge am 19. Januar

Zuwanderer und ihre Nachkommen sorgen für positiven demographischen Trend

Bereits heute weist jeder fünfte Bewohner des Freistaats einen Migrationshintergrund auf, ist also entweder selbst aus dem Ausland zugewandert oder stammt von Zuwanderern ab. Im Jahr 2024 wird das voraussichtlich sogar für jeden vierten Mitbürger gelten, so das Ergebnis der vom Bayerischen Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung aktualisierten Vorausberechnung der Bevölkerung mit Migrationshintergrund. Die Zunahme dieser Bevölkerungsgruppe von knapp 2,5 Millionen Menschen im Jahr 2011 auf voraussichtlich 3,2 Millionen im Jahr 2024 dämpft zwei zentrale Aspekte des demographischen Wandels: die Bevölkerungsschrumpfung und die zunehmende demographische Alterung.

Wie das Bayerische Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung anlässlich des 100. Welttags der Migranten und Flüchtlinge am 19. Januar mitteilt, würde der Freistaat ohne seine teilweise bereits in zweiter oder dritter Generation hier lebenden Migranten bis 2024 über sechs Prozent seiner Bevölkerungsgröße einbüßen. Darauf lässt die Entwicklung der Personen ohne Migrationshintergrund schließen, deren Anzahl sich nach den Vorausberechnungen von knapp 10,1 Millionen Personen auf etwa 9,5 Millionen reduzieren wird. Durch die Zunahme der Bevölkerung mit Migrationshintergrund (+28 Prozent bis 2024) wird Bayern beim Bevölkerungsstand jedoch voraussichtlich sogar ein leichtes Plus von knapp einem Prozent erreichen und im Jahr 2024 rund 12,6 Millionen Einwohner haben.

Während sich die Gesamtbevölkerungsentwicklung laut Vorausberechnung regional sehr unterschiedlich gestalten wird, finden sich die gegenläufigen Entwicklungslinien der Bevölkerungsgruppen mit und ohne Migrationshintergrund in allen Regierungsbezirken.
Oberbayern, für das ein Bevölkerungswachstum von fünf Prozent vorausberechnet wurde, müsste ohne seine hier lebenden Zuwanderer bzw. deren Nachkommen mit einem bis 2024 um drei Prozent sinkenden Einwohnerstand rechnen. Mittelfranken und Schwaben bleiben mit einer nur leicht negativen prozentualen Gesamtbevölkerungsentwicklung zwischen 2011 und 2024 relativ stabil, ebenso Niederbayern und die Oberpfalz. Ohne das starke Wachstum der Zuwanderer und ihrer Nachkommen würden Schwaben und Niederbayern bis 2024 allerdings um sechs Prozent schrumpfen, die Oberpfalz und Mittelfranken sogar um sieben Prozent.

Dieser die Bevölkerungsverluste abmildernde Effekt tritt auch in den Regionen auf, die besonders stark vom demographischen Wandel betroffenen sind: Die Bevölkerung Unterfrankens würde im Jahr 2024 ohne die Mitbürger mit Migrationshintergrund um fast neun Prozent gegenüber dem Jahr 2011 sinken, durch den dämpfenden Effekt wird der Rückgang auf gut drei Prozent verringert. Für Oberfranken beträgt der entsprechende Rückgang nur sechs statt zehn Prozent.

Die unterschiedlichen Entwicklungen der Bevölkerungsgruppen mit und ohne Migrationshintergrund haben mehrere Gründe. Zum einen gibt es eine hohe Nettozuwanderung nach Bayern. Für die Bevölkerung mit Migrationshintergrund ist über den Vorausberechnungszeitraum hinweg mit einem positiven Wanderungssaldo von 386 000 vornehmlich jüngeren Personen zu rechnen. Die deutlich größere Bevölkerungsgruppe ohne Migrationshintergrund wird dagegen nur einen Wanderungsüberschuss von 102 000 Personen erreichen. Zum anderen sind für diese Entwicklung die Salden der sogenannten natürlichen Bevölkerungsbewegungen ausschlaggebend, also die Differenzen zwischen Lebendgeborenen und Sterbefällen: Frauen mit Migrationshintergrund werden von 2011 bis 2024 aufgrund ihrer jüngeren Altersstruktur und ihrer höheren Fertilität einen deutlichen Geburtenüberschuss (+312 000) erzielen, während bei den Personen ohne Migrationshintergrund die Sterbefälle überwiegen werden (-712 000).

Die geringe Zahl an Geburten ist auch der Hauptgrund für die demographische Alterung der bayerischen Bevölkerung, die sich in einer Zunahme des Durchschnittsalters bis 2024 um zwei auf 45 Jahre widerspiegelt. Ohne die ausländischen und deutschen Mitbürger mit Migrationshintergrund, deren Durchschnittsalter sich im gleichen Zeitraum nur um ein Jahr auf gut 36 Jahre erhöhen wird, würde der Altersdurchschnitt des Freistaats 2024 bereits bei knapp 48 Jahren liegen.
 
Hinweis:
Als Personen mit Migrationshintergrund gelten nach der im Mikrozensus verwendeten Definition des Statistischen Bundesamtes alle nach 1949 auf das heutige Gebiet der Bundesrepublik Deutschland Zugewanderte, alle in Deutschland geborenen Ausländer und alle in Deutschland als Deutsche Geborene mit zumindest einem zugewanderten oder als Ausländer in Deutschland geborenen Elternteil. Mit dieser Definition werden nicht nur die Ausländer in Deutschland erfasst, sondern auch Spätaussiedler und Eingebürgerte, sowie die in Deutschland geborenen Kinder dieser Gruppen.
 
Ausführliche Ergebnisse enthält das im Februar 2014 erscheinende Heft 545 der Beiträge zur Statistik Bayerns (Bestellnummer: A19002 201351, Preis der Druckausgabe: 17,00 €). Der Bericht kann im Internet unter https://www.statistik.bayern.de/veroeffentlichungen als Datei kostenlos heruntergeladen werden. Gedruckte Ausgaben können beim Vertrieb erworben bzw. dort per E-Mail (vertrieb@statistik.bayern.de), Fax (Fax-Nr. 089 2119-3457) oder Post bestellt werden.

Nachdruck - auch auszugsweise - mit Quellenangabe erwünscht.