Auf einen Blick

Pressemitteilung

146/2015/54/K
München, den 02. Juni 2015

Im Jahr 2014 verfügten bayerische Familiengerichte in 4 119 Fällen Maßnahmen aufgrund einer Gefährdung des Kindeswohls

In 2 604 Fällen wurde die Übertragung der elterlichen Sorge ganz oder teilweise auf das Jugendamt oder einen Dritten entschieden

 
Im Laufe des Jahres 2014 wurden insgesamt 4 119 gerichtliche Maßnahmen eines Familiengerichts für Kinder- und Jugendliche aufgrund einer Gefährdung des Kindeswohls eingeleitet. Wie das Bayerische Landesamt für Statistik weiter mitteilt, waren 2 273 Buben und 1 846 Mädchen betroffen. Dabei wurde in 2 604 Fällen die vollständige oder teilweise Übertragung der elterlichen Sorge auf das Jugendamt oder einen Dritten entschieden.

 
Im Bürgerlichen Gesetzbuch sind in § 1 666 „Gerichtliche Maßnahmen bei Gefährdung des Kindeswohls“ geregelt. Das Familiengericht hat danach Maßnahmen im Falle einer körperlichen, geistigen oder seelischen Gefährdung des Kindes oder seines Vermögens zu ergreifen, wenn die Eltern nicht gewillt oder in der Lage sind, diese Gefahr abzuwenden.

 
Die Anrufung des Familiengerichts durch das Jugendamt ist immer dann erforderlich und verpflichtend, wenn sich die Gefährdung des Kindeswohles nur durch eine gerichtliche Entscheidung abwenden lässt.

 
Das Familiengericht entscheidet dann im Einzelfall, ob gerichtliche Maßnahmen einzuleiten sind und wie diese aussehen. Hierzu zählen beispielsweise Gebote, öffentliche Hilfen wie Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe und der Gesundheitsfürsorge in Anspruch zu nehmen oder für die Einhaltung der Schulpflicht zu sorgen.

 
Auch Verbote, vorübergehend oder auf unbestimmte Zeit die Familienwohnung oder eine andere Wohnung zu nutzen, sich in einem bestimmten Umkreis der Wohnung aufzuhalten oder zu bestimmende andere Orte aufzusuchen, können ausgesprochen werden. Ebenso kann verboten werden, Verbindung zum Kind aufzunehmen oder ein Zusammentreffen mit dem Kind herbeizuführen. Auch die elterliche Sorge kann teilweise oder vollständig entzogen werden.

 
Nach Mitteilung des Bayerischen Landesamts für Statistik wurden in Bayern im Laufe des Jahres 2014 in insgesamt 4 119 Fällen Entscheidungen des Familiengerichts getroffen, um für Kinder und Jugendliche Maßnahmen einzuleiten.

 
Dies entspricht einem Plus von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr (3 743). In 2 273 Fällen waren Jungen (+18 Prozent ggü. 2013) und in 1 846 Fällen Mädchen (+1 Prozent) betroffen.

 
In 2 604 Fällen (+27 Prozent ggü. 2013) wurde der Entzug der elterlichen Sorge entschieden - in 1 204 Fällen der vollständige (+52 Prozent) und in 1 400 Fällen teilweise (+11 Prozent). Das heißt die elterliche Sorge wurde auf das Jugendamt oder einen Dritten als Vormund oder Pfleger (gem. § 1666 Abs. 3 Nr. 6 BGB) übertragen.

 
Des Weiteren wurde in 827 Fällen (-14 Prozent ggü. 2013) die Inanspruchnahme von Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe auferlegt, in 246 Fällen (-7 Prozent) wurden die Erklärungen des Personensorgeberechtigten ersetzt und in 442 Fällen (-4 Prozent) wurden Ge- oder Verbote gegenüber dem Personensorgeberechtigten oder Dritten ausgesprochen.




Maßnahmen der Familiengerichte in Bayern im Laufe des Jahres 2014

 

 

davon

 

 

Auferlegung der
Inanspruchnahme von Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe
gem. § 1666
Abs. 3,
Nr. 1 BGB

Aussprache von anderen Geboten und Verboten gegenüber dem Personensorge-berechtigten oder Dritten
gem. § 1666
Abs. 3,
Nr. 2- 4 BGB

Ersetzung von Erklärungen des/der Personensorge-berechtigten
gem. § 1666
Abs. 3,
Nr. 5 BGB

vollständige Übertragung der elterlichen Sorge auf das Jugendamt oder einen Dritten als Vormund
oder Pfleger
gem. § 1666
Abs. 3,
Nr. 6 BGB

teilweise Übertragung der elterlichen Sorge auf das Jugendamt oder einen Dritten als Vormund
oder Pfleger
gem. § 1666 Abs. 3,
Nr. 6 BGB

 

 

Regierungsbezirk

insgesamt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Oberbayern

1 312

 277

 157

 72

 373

 433

Niederbayern

 444

 104

 21

 8

 200

 111

Oberpfalz

 515

 77

 47

 25

 123

 243

Oberfranken

 370

 90

 53

 41

 92

 94

Mittelfranken

 445

 75

 56

 17

 104

 193

Unterfranken

 455

 67

 38

 33

 148

 169

Schwaben

 578

 137

 70

 50

 164

 157

 

 

 

 

 

 

 

Bayern       

4 119

 827

 442

 246

1 204

1 400



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Nachdruck - auch auszugsweise - mit Quellenangabe erwünscht.