Annahmenbildung im Bereich Auslandszuwanderung: Zum Umgang mit unberechenbaren Migrationsschüben

 
Die Vorausberechnungen des LfStat zeigen, wie sich Bevölkerungszahl und -struktur in Bayern in den nächsten 20 Jahren verändern werden, wenn für eine gesamte Administrationsebene (z.B. Gemeinden, Kreise) einheitlich modellierte Trends fortgeschrieben werden.

Sie dürfen dabei nicht als exakte Vorhersagen der Zukunft missverstanden werden. Denn kurzfristige Schwankungen der Bewegungskomponenten, v.a. im Bereich der Auslandswanderungen, sind nicht nur möglich, sondern hochwahrscheinlich. Zeitpunkt, Ausmaß und Struktur internationaler Migrationsschübe, die durch zukünftige Krisen, Kriege und Naturkatastrophen ausgelöst werden könnten, können aber nicht im Detail modelliert werden, sondern nur durch die Verwendung von Durchschnitts- und Erfahrungswerten in die Vorausberechnung eingehen. Dies hat direkten Einfluss auf die errechnete jährliche Einwohnerentwicklung.

Die grundlegenden Zusammenhänge und Dynamiken des demographischen Wandels werden von kurzfristigen Schwankungen jedoch ohnehin nicht außer Kraft gesetzt. Der Mehrwert der Modelle liegt somit darin, die regional sehr unterschiedlichen Konsequenzen des demographischen Wandels sichtbar und räumlich vergleichbar zu machen.
 

Entwicklung der Außenwanderung Bayerns mit dem restlichen Bundesgebiet und dem Ausland 1974 bis 2035 Entwicklung der Außenwanderung Bayerns mit dem restlichen Bundesgebiet und dem Ausland 1974 bis 2035

 
Angesichts der aktuellen Diskussion über die Höhe und Nachhaltigkeit des Flüchtlingszustroms aus den arabischen und afrikanischen Krisenstaaten ist darüber hinaus klarzustellen: Das LfStat kann sich bei der Annahmenbildung für seine Vorausberechnungen nur auf Fakten stützten, die sich aus im Erstellungszeitraum vorliegenden statistischen Daten ableiten lassen. Sie basieren also ausschließlich auf demographischen Strukturen und Prozessen, die uns bereits bekannt sind. Sie können keine Anhaltspunkte bieten, wie sich bestimmte Ausnahmesituationen entwickeln werden; also ob beispielsweise das Ausmaß der aktuell sehr hohen Auslandszuwanderung noch weiter zunehmen wird oder wie lange diese Zuströme andauern werden.

Auch aufgrund dieser Unsicherheiten aktualisiert das LfStat seine Vorausberechnungen regelmäßig auf Grundlage der aktuellsten gesicherten Informationen. Die (jüngere) Vergangenheit ist dabei die einzig verlässliche, weil statistisch bereits erfasste, Datenquelle für die Zukunft.

Unabhängig davon, ob der wahrgenommene Migrationsdruck weiter steigt, konstant bleibt oder wieder sinkt: Durch die gleichbleibende Vorgehensweise bei der Annahmenbildung auf Grundlage des Wanderungsverhaltens der vergangenen 5 bzw. 10 Jahre ist sichergestellt, dass neue Trends, sobald sie sich in den laufenden Statistiken wiederspiegeln, mit jeder Aktualisierung der Vorausberechnungsmodelle immer stärkere Berücksichtigung in den errechneten Entwicklungsverläufen finden. Die Wanderungsannahmen der aktuellen Bevölkerungsvorausberechnungen können der Methodenübersicht in den demographischen Profilen entnommen werden.