Pressemitteilung

255/2023/41/A
Fürth, den 20. September 2023

Analyse der Sterbefall- und Todesursachenstatistik zeigt: Auch im Jahr 2022 erhöhte Sterblichkeit in Bayern

Rückgang der Sterblichkeit in Bayern durch Covid-19 Pandemie unterbrochen

Das Bayerische Landesamt für Statistik veröffentlicht im Online-Pressebriefing am 20.09.2023 Ergebnisse über die Entwicklung der Sterbefallzahlen in Bayern seit Beginn der Covid-19 Pandemie. So haben sich im Vergleich zum Jahr 2019 – dem letzten Jahr vor der Pandemie – etwa sieben Prozent im Jahr 2020, im Jahr 2021 gut zehn Prozent und im Jahr 2022 fast 14 Prozent mehr Sterbefälle im Freistaat ereignet. Die Expertinnen des Landesamts erläutern, dass die höheren Sterbefallzahlen in diesen drei Jahren lediglich zu ca. einem Drittel auf das Wachstum und die Alterung der Bevölkerung zurückzuführen sind. Zwei Drittel wurden durch Änderungen in der Sterblichkeit der Menschen verursacht. Der bis zum Jahr 2019 nahezu kontinuierliche Rückgang der Sterblichkeit in Bayern ist durch die Covid-19 Pandemie unterbrochen worden. Neben chronischen ischä-mischen Herzkrankheiten und Demenz zählt Covid-19 im Jahr 2022 zu den drei häufigsten Todesursachen.

Fürth. Im Online-Pressebriefing am 20.09.2023 erläutern die Expertinnen des Bayerischen Landesamts für Statistik die Entwicklung der Sterbefallzahlen im Freistaat zwischen Januar 2020 und Juli 2023. Im Mittelpunkt steht dabei das Jahr 2022, für welches zudem Ergebnisse der Todesursachenstatistik vorgestellt wurden. Dabei haben Dr. Karin Tesching und Dr. Andrea Buschner Fragen geklärt, wie:

  • Wie haben sich die Sterbefallzahlen in Bayern in den letzten Jahren entwickelt?
  • Sind die erhöhten Sterbefallzahlen im Jahr 2022 (auch) auf das Wachstum und die Alterung der Bevölkerung zurückzuführen?
  • Haben Veränderungen in der Sterblichkeit die Sterbefallzahlen Bayerns beeinflusst?
  • Welche Rolle hat Covid-19 bei der Entwicklung der Sterblichkeit im Jahr 2022 gespielt?
  • Gibt es weitere Todesursachen, die im Jahr 2022 zu der erhöhten Sterblichkeit beigetragen haben?

Es zeigt sich, dass die Sterbefallzahlen in Bayern im Jahr 2022 durchgängig über dem Median* der vier Vorjahre liegen. Dabei haben im vierten Quartal 2022 sowie im ersten Quartal 2023 auch Grippewellen zu den erhöhten Sterbefallzahlen beigetragen. Während es in den ersten zwei Jahren der Covid-19 Pandemie keine bzw. nur sehr kurze und schwache Grippewellen gab, haben sich in der Grippesaison 2022/ 2023 laut Robert-Koch-Institut gleich zwei Wellen ereignet: Eine ungewöhnlich frühe und starkausgeprägte erste von Oktober 2022 bis Anfang Januar 2023, eine weitere ab Ende Februar 2023. Erst seit April 2023 bewegen sich die Sterbefallzahlen im Freistaat wieder auf dem Niveau der Vorjahre.

Über das gesamte Jahr 2022 sind mit 152 417 Personen über 13 000 Personen mehr verstorben als in den Vorjahren (gegenüber Median 2018-2021: +13 329), was ein Plus von zehn Prozent darstellt. Im Vergleich zum Jahr 2019 – dem letzten Jahr vor der Covid-19 Pandemie – hat sich die Zahl Verstorbenen um 18 104 Fälle bzw.14 Prozent erhöht.

Frau Dr. Tesching, Leiterin des Fachbereichs „Bevölkerung, Kompetenzzentrum Demographie“, erläutert, welche Rolle demographische Einflüsse auf die Entwicklung der Sterbefallzahlen im Freistaat hatten. „Die höheren Sterbefallzahlen in Bayern im Jahr 2022 im Vergleich zum Jahr 2019 sind – ähnlich wie in den Jahren 2020 und 2021 – zu circa einem Drittel auf das Wachstum und die Alterung der Bevölkerung zurück-zuführen, zu zwei Dritteln jedoch auf Änderungen in der Sterblichkeit“, so die Expertin.

Seit dem Jahr 2020 steigen die altersstandardisierten Sterbefallzahlen im Freistaat. „Altersstandardisiert“ bedeutet, dass die Daten um Wachstums- und Alterungseffekte bereinigt wurden. Der, bis dahin, kontinuierliche Rückgang der Sterblichkeit in Bayern ist durch die Covid-19 Pandemie somit unterbrochen worden.

Auswertungen der Todesursachenstatistik** zeigen, dass die hohen Sterbefallzahlen am Ende des Jahres 2022 – anders als in den zwei Vorjahren - nicht mit erhöhten Covid-19 Sterbefallzahlen einhergegangen sind. Ein Vergleich mit den Dezembermo-naten der Jahre 2016 bis 2019 verdeutlicht, dass der Dezember 2022 insbesondere durch höhere Sterbefallzahlen im Zusammenhang mit Erkrankungen der Atmungsor-gane geprägt war. Grippeerkrankungen und Pneumonien machen hier einen großen Teil der Sterbefälle aus.

Auf das ganze Jahr 2022 betrachtet, befindet sich Covid-19 jedoch erneut unter den häufigsten Todesursachen in Bayern. Absolut gesehen rangiert die Erkrankung mit fast 7 600 Sterbefällen bzw. 50 Sterbefällen pro 100 000 Einwohnern (altersstandardisiert) auf Rang drei.

Chronische ischämische Herzkrankheiten stellen im Jahr 2022 mit knapp 10 800 Verstorbenen bzw. 70 Sterbefällen pro 100 000 Einwohner die häufigste Todesursache dar.

Auf Rang zwei folgt Demenz mit fast 8 000 Sterbefällen bzw. 49 Verstorbenen pro 100 000 Einwohner.

Myokardinfarkte (absolut: 6 900, altersstandardisiert: 47), Herzinsuffizienzen (absolut: 5 500, altersstandardisiert: 34) und Krebserkrankungen im Bereich der Lunge und Bronchien (absolut: 5 300, altersstandardisiert: 39) belegen in der Todesursachenstatistik 2022 die Ränge vier bis sechs. Werden alle Erkrankungen des Herzkreislaufsystems und Krebserkrankungen zusammengefasst, so verursachen sie etwa 56 Prozent der Sterbefälle in Bayern im Jahr 2022.

Wird das Jahr 2022 mit den Jahren vor der Covid-19 Pandemie verglichen, so haben neben Covid-19 vor allem Demenzerkrankungen, äußere Ursachen (z.B. Stürze und Suizide) sowie Stoffwechselerkrankungen zur erhöhten Sterblichkeit beigetragen. Gleichzeitig sind die Sterbefallzahlen in Folge von Krankheiten des Atmungssystems, des Kreislaufsystems sowie bösartige Neubildungen leicht zurückgegangen.

Hinweise:
*Der Median kurz erklärt: Der Median wird in der Statistik auch als Zentralwert bezeichnet. Beim Median handelt es sich also um den Wert, der - in einer nach Größe sortierten Reihe von Werten - genau in der Mitte liegt. Wenn die Anzahl der sortierten Werte gerade ist, ergibt sich der Median aus dem arithmetischen Mittel der beiden mittleren Zahlen.

Rechenbeispiele: Median aus Zahlenreihe mit ungerader Anzahl der sortierten Werte 1,3,3,6,7,8,9 = 6 Median aus Zahlenreihe mit gerader Anzahl der sortierten Werte 2,3,4,5,6,9 = 4,5 berechnet aus (4+5): 2

**Die Zahlen der Todesursachenstatistik für das Jahr 2022 sind vorläufig.


Ausführliche Ergebnisse der Sterbefallstatistik enthält der Statistische Bericht „Sterbefallmonitoring in Bayern von Januar 2016 bis Juli 2023“ (Bestellnummer: A2111C 202307). Aktuelle Daten der Todesursachenstatistik werden unter www.statistik.bayern.de/statistik/bildung_soziales/gesundheitswesen veröffentlicht.
Weitere Informationen zum Bezug von Druckausgaben erhalten Sie beim Vertrieb per E-Mail (vertrieb@statistik.bayern.de), Telefon (0911 98208-6311) oder Fax (0911 98208-6638).
In der GENESIS-Online Bayern können Sie die Statistikdaten zu den Sterbefällen und Todesursachen aufrufen.